Instant-Ostseeman und am Ende eine Bestzeit
Ich glaube ich hatte noch vor keinem Wettkampf so sehr das Gefühl, schlecht oder gar nicht vorbereitet zu sein, wie vor dem Ostseeman in diesem Jahr. Nach dem Trainingslager im Januar hatte ich keine Zeit mehr, um ins Becken zu springen. Um nicht völlig unter zu gehen, bin ich dann in den letzten zwei Wochen vor der Langdistanz noch 6km schwimmen gewesen. Ähnlich gering war mein Trainingsumfang auf dem Rad. Am Wochenende nach Verbier wollte ich meine Ausfahrt machen und stürzte prompt. Ein Dämpfer, der mir am Ende noch ca. 300 Radkilometer bis zum Start erlaubte.
Meine Ziele hatte ich also sehr tief gesteckt. Wenn ich unter 1:30 aus dem Wasser komme und unter sechs Stunden vom Rad steige, muss ich zufrieden sein. Dann glaubte ich noch Luft zu haben, um auf der Marathon-Distanz etwas mit dem Tempo zu spielen. Eine sub12 war das erklärte Ziel.
Nach dem Startschuss lies ich mir Zeit ins Wasser zu kommen, bloß nicht zu weit vorne in die Prügeleien verwickelt sein. Und doch hatte ich die erste Runde immer Leute dicht um mich herum. zweimal konnte ich Wasserschatten nutzen, um etwas Kraft zu sparen. Nach der ersten Schwimmrunde traute ich meinen Augen nicht, als meine Uhr mir 35min zeigte. Eine neue Bestzeit für meinen Schwimmsplit war zum Greifen nahe. Das glatte Wasser lies auch in der zweiten Runde eine tolle Peilung zu. So bin ich in diesem Jahr kaum Umwege geschwommen. Es war schon ein geiles Gefühl, nach 1:15 aus dem Wasser zu kommen. Sollten die vielen Kilometer in der Schweiz mit den Treckingstöcken einen Effekt gehabt haben? Sollte ich vielleicht einfach mehr Inlineskaten mit Stöcken?
Die ersten Runden auf dem Rad wollte ich locker angehen, aber es sollte anders kommen. Die Beine fühlten sich gut an, das Rad lief einfach toll. Am Ende der vierten Runde stand auf meinem Computer ein Schnitt von 34,4km/h. Es machte einfach nur Spaß die Runden in Glücksburg zu drehen. Ich hab diese 30km echt gern gewonnen. Man kann nach der zweiten Runde so etwas wie einen Rhytmus spüren. Und in jeder Runde wird man in Glücksburg von ZIG Triabolos angebrüllt. Man fährt förmlich durch ein gelbes Spalier. Ein geniales Gefühl.
In der fünften Runde kamen kamen die erwarteten Folgen des Mangeltrainings – der untere Rücken begann heftig zu schmerzen und ich konnte nicht mehr sitzen. So musste ich immer mehr Kilometer im Sitzen fahren und mein Schnitt ging zurück. Und doch musste ich mich am Anfang der sechsten und letzten Runde ertappen, dass ich rückwärts rechnete, ob es für eine neues Bestzeit reicht. Ich konnte es kaum glaube, dass mein Radcomputer bei 5:17h stehen blieb, als ich mein Rad in der T2 abgegeben hatte. Eine neue Bestzeit auf dem Rad. Trailrunning trainiert auch die Radmuskulatur. Jetzt musste ich nur noch eine sub4 auf den letzten 42km laufen und die neues Bestzeit wäre im Kasten.
Die Euphorie trug mich auf den ersten Laufkilometern. So zog mich Oliver im Kraichgau-Trikot in der ersten von fünf Runden zu einer 41min Runde. Viel zu schnell, denn Oliver wollte 3:30h auf dem Marathon laufen. In der zweiten Runde lies ich Oliver ziehen und in der dritten Runde kam der Einbruch. Die ersten 210km waren einfach zu schnell und meine Körner waren verbraucht. Die letzten zweieinhalb Runden versuchte ich mich dann mit Kuchen und Cola-Brühe-Mix oder Iso-Brühe-Mix über Wasser zu halten. Die Anstiege im Ort bin ich aber nur noch gegangen. Jeden Kilometer rechnete ich Rückwärts, denn ab nun begann das Zeitpolster auf meine Bestzeit zu schwinden.
Ab dem letzten Verpflegungspunkt begannen meine Beine wieder Flügel zu bekommen, die Bestzeit ist sicher. Nach 10:32:57 kam ich ins Ziel, ich konnte es kaum glauben. Kaum spezfisches Training, kein Koppeltraining und doch habe ich meine Bestzeit verbessert. Das macht Lust auf mehr – das Jahr 2010 ist geplant!
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